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Wissen & Tipps
„Altwerden ist nichts für Feiglinge!“
Die mobile Pflege ist für Sonja Stifter mehr als ein Beruf
Pflegeberuf als Traumjob
Aktuell stehen Pflegeberufe auf der Traumjobskala nicht gerade hoch im Kurs. Das liegt wohl daran, dass die Personalkurve abnimmt, während die Zahl der zu Pflegenden steigt. Ein Trend, der dazu führt, dass das verbleibende Personal immer mehr leisten muss, weniger Zeit pro Klient bleibt und somit an den Energiereserven zehrt. Ein Teufelskreislauf, der unterbrochen werden muss, ist sich Sonja Stifter sicher.
Wir haben die oberösterreichische Powerfrau interviewt und gefragt, warum ihr Herz für die Pflege schlägt!
Vital: Liebe Sonja, war die Pflege schon immer deine erste Berufswahl?
Sonja Stifter: Nach der Schule bin ich mit einer Frisörlehre gestartet, habe aber schnell gemerkt, dass das nichts für mich ist. Als ich 24 war, wurde meine Oma zum Pflegefall – das war für mich die Erleuchtung! Mit 27 Jahren habe ich die Pflegeausbildung gemacht, weil ich gesehen habe, wie dankbar der Mensch über Hilfe ist.
Deine Motivation zum Beruf wurde eigentlich aus einer familiären Situation heraus geboren. Was treibt dich jeden Tag an, dein Herzblut für den Job zu geben?
Sonja: Ich bin ein Mensch, der immer nach vorne blickt, und dann denke ich mir oft: So wird es mir auch mal gehen, auch ich werde vielleicht einmal auf Hilfe angewiesen sein. Und das ist der wichtigste Aspekt, wenn ich die Pflege mache. Es ist natürlich nicht immer einfach, aber so wie ich es heute mache, möchte ich später auch behandelt werden. Und meine größte Motivation: Ich bekomme so viel Liebe zurück! Davon kann ich zehren.
Sind die Menschen immer dankbar für deine Hilfe, kann diese immer angenommen werden, oder stößt du auch auf Ablehnung, weil die Pflege vielleicht von Angehörigen initiiert wurde?
Sonja: Ich sage immer: Ich zwinge dich zu nichts, aber du wirst sehen, wie fesch das ist. Ich beginne dann mit Kleinigkeiten wie Füße eincremen und versuche nach und nach meine Hilfe attraktiv zu machen, sodass sie irgendwann gerne angenommen wird.
Was sind die größten Herausforderungen in deinem Job?
Sonja: Das zusätzliche Kümmern um diejenigen, die von den Angehörigen auf der Strecke gelassen werden. Man kann einfach nicht alles alleine abdecken ... und das Vereinsamen daheim. Vereinsamung geht dann tatsächlich oft in Depressionen über – das finde ich herzzerreißend.
Gibt es Besuchsdienste, die unabhängig von der Pflege zum Reden, Spielen usw. kommen?
Sonja: Die Möglichkeit gäbe es, auch in Seniorenheimen und Tageszentren. Es ist aber leider so schwierig, Leute zu finden, die Zeit haben. Jeder ist eingedeckt, ohne arbeiten geht es nicht mehr … Wir bräuchten mehr Ehrenamtliche, zum Beispiel Pensionisten, die sich Zeit nehmen, Besuchsdienste zu übernehmen.
Wie siehst du die Zukunft der Pflege?
Sonja: Die Angst vor dem Altwerden sitzt mir in den Gelenken. Wird es dann noch jemand geben, der den Beruf macht? Die Menschen haben sich verändert, sind egoistischer geworden, oft fehlt es an Nächstenliebe. Finanziell ist man in der Pflege nicht schlecht aufgestellt – das kann nicht der Grund sein. Natürlich trägt der Personalmangel dazu bei, dass sich die Arbeit für den Einzelnen fast verdoppelt hat. Würden aber wieder mehr Leute in der Pflege Fuß fassen, würde sich die Situation beruhigen und man hätte wieder Zeit für das, was den Beruf ausmacht, nämlich ein Stückchen mehr Lebensqualität in den Alltag der Menschen bringen! Der Beruf erfüllt mich. Ich bekomme so viel Liebe, die ich wieder weitergebe, um für andere da zu sein. Es gibt so viele Facetten von mir – für jeden ist ein Stück da!
Info:
Die Volkshilfe selbst betreibt Tageszentren, die sehr gut angenommen werden. Hier wird gespielt, geplaudert, gebastelt und zusammen gejausnet. Senioren können ganze und halbe Tage im Tageszentrum verbringen und so ihren Alltag abwechslungsreicher gestalten.
Sie oder einer Ihrer Angehörigen sind auf Pflege oder Unterstützung im Alltag angewiesen? Einen ersten Pflegewegweiser finden Sie auf der Infoplattform für Pflege und Betreuung unter www.pflege.gv.at Weitere Anlaufstellen sind die Volkshilfe, das Hilfswerk sowie Caritas und Rotes Kreuz. Pflegende Angehörige finden bei der Interessengemeinschaft pflegender Angehöriger Tipps, Ratschläge und Unterstützung.
IG Pflege | Tel.: 01 58 900 328 | www.ig-pflege.at
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