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Orchideenwanderungen

Orchideenwanderungen

Norbert Griebl kennt die schönsten Orchideenwanderungen in Österreich. Wir dürfen Ihnen eine blumige Wanderung in Niederösterreich vorstellen.

Es ist nicht leicht, die Sprache, die die Pflanzen sprechen, zu erlernen und zu verstehen. In der Studierstube bringt man es bestenfalls zum Buchstabieren. Zum Lesen und zum Verstehen kommt man nur in der freien Natur“, wusste schon der große Botaniker Anton von Kerner. Friedrich Freiherr von Humboldt drückte es etwas anders aus: „Die Na ­ tur muss gefühlt werden, wer sie nur sieht, kann Pflanzen und Tiere einteilen, er wird die Natur zu beschreiben wissen, ihr aber selbst ewig fremd bleiben.“ Und es war wohl genau dieses Gefühl, das Norbert Griebl schon von Kindesbeinen an bewog, die heimatliche Natur zu erkunden. Und so hat er im Laufe der letzten 35 Jahre Hunderte Berge und Gebiete durchwandert, um die Schätze und Kleinodien der Heimat vor das Auge zu bekommen. Manche Gebiete haben sich dabei als wahre Fundgruben für Orchideen und andere Blumen herausgestellt. In seinem Buch „Orchideenwanderungen in Österreich“, das im Leopold -Stocker -Verlag erschienen ist, beschreibt Norbert Griebl 29 Wanderungen.

 

Wandervorschlag:

Ein Berg mit vielen Gesichtern und einer markanten Felsnase, so könnte man den Gippel kurz beschreiben. Und trotz seiner nicht ganz so beein ­ druckenden Höhe von 1.669 m beherbergt er eine reiche Zahl an Alpenpflanzen, die in den Nordost ­alpen endemisch sind, und zumindest 20 Orchideenarten. Der Aufstieg unserer Orchideenwanderung beginnt in Weißenbach beim Zögernitzhof auf 640 m und führt über den Ursprungkogel, 959 m, und den Treibsteig zum Gippeltörl, von wo die Schneealpe und der Sonnleitstein, aber auch die im Sommer an Wochenenden bewirtschaftete Gippelalm, 1.500 m, entgegenlachen. Der Weg dorthin durchquert immer wieder lichte Rotföhren-Wälder und Schneeheide-Fluren, in denen sich die Kamm-Hundswurz wohlfühlt. Vom Gippeltörl ist es nicht mehr weit zum Gipfelkreuz auf 1.669 m, oder man umgeht den Gippel-Gipfel über den Majevski-Steig, bei dem es sich tatsächlich nicht mehr als um einen Steig handelt und der vor allem für Fährtensucher interessant sein wird.

Trotzdem ist dieser Steig dem etwas ausgesetzten Bergrettungssteig vorzuziehen. Benannt ist der Weg nach Roman Majevski (1923–1984), der von 1945–1967 dem Alpenverein St. Pölten vorstand und der dem elitären Österreichischen Alpenklub angehörte. Auf der Hofalm, umgeben von duftenden Zweifarben Kohlröschen, Nigritella bicolor, lässt sich’s gut einkehren. Einmal hörten wir von hier ein jämmerliches Wehklagen. Eine Wandergruppe versuchte, Heimatlieder zum Besten zu geben. Die einen konnten nicht singen, wollten aber, die anderen, die vielleicht konnten, wollten nicht – und textsicher war wohl keiner von ihnen. So mussten wir eben aushelfen, und ehe wir uns versahen, war der Gastgarten menschenleer. Wahrscheinlich mussten alle schon aufbrechen, denn der Abstieg nach Kernhof war noch weit und der Stundenzeiger stand schon auf Mittag. Knapp vor Kernhof, wo hoffentlich ein zweites, zuvor hier geparktes Auto auf die müden Wanderer wartet, erfreut noch ein hübsches Nelkengewächs, die Karpaten-Miere, Minuartia langii, mit ihren großen, strahlend weißen Sternblüten.

Pflanzenbesonderheiten:

Glocken-Lauch, Allium oleraceum; Trauben-Pippau, Crepis praemorsa; Lorbeer-Seidelbast, Daphne laureola; Östliche GletscherGamswurz, Doronicum glaciale subsp. calcareum; Ostalpen-Täschelkraut, Noccaea crantzii; Holunderblatt-Baldrian, Valeriana officinalis subsp. sambucifolia; Berg-Ehrenpreis, Veronica montana.

Blumenpracht:

Kamm-Hundswurz, Anacamptis pyramidalis; Purpur-Waldvöglein, Cephalanthera rubra; Feuer-Lilie, Lilium bulbiferum; Zweifarben Kohlröschen, Nigritella bicolor; Karpaten-Miere, Minuartia langii; Blaue Ähren-Teufelskralle, Phyteuma spicatum subsp. coeruleum.

Beste Orchideenzeit:

Anfang Juni – Ende Juli, für die Kamm-Hundswurz Ende Juni – Ende Juli Weitere botanische und kulturelle Sehenswürdigkeiten des Gebiets:

● Kameltheater und Weißer Zoo in Kernhof

● Stift und Zdarsky-Skimuseum in Lilienfeld (bei der An- oder Abreise Richtung von/nach St. Pölten)

● Kernhofer Gscheid (Kamm-Hundswurz, Anacamptis pyramidalis; Österreich-Wolfsmilch, Euphorbia austriaca; Knoten-Mastkraut, Sagina nodosa; Stern-Narzisse, Narcissus radiiflorus, usw.

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